Sorry!
This Article is only in German language.
It is important, however, as it deals with the waste of Tsunami cash by the Swiss Red Cross and other well funded organizations.
Von Philipp Gut
In Sri Lanka wurde mit Spendengeldern für die Tsunami-Opfer Missbrauch in Millionenhöhe getrieben. Die Verantwortlichen vertuschten den systematischen Schwindel.
![]() |
|
Für sich reklamiert: Dieses Schild zierte Häuser, die mit Geld aus Deutschland gebaut wurden. |
Am 6. April 2005 unterzeichnete der Schweizer Botschafter in Colombo, Bernardino Regazzoni, ein Abkommen mit der srilankischen Regierung, das den Einstieg der Schweiz in das bereits laufende «Cash»-Programm für Hausbesitzer regelte (mit vollem Namen «Cash for Repair and Reconstruction». Das Prinzip des Vertrags: Die Schweiz zahlt, die srilankischen Behörden wählen die Begünstigten aus. Bern akzeptierte, dass es nur «begrenzten Einfluss» auf die «Ausgestaltung und Umsetzung» nehmen konnte. Selbst auf lokaler Ebene, schreibt die Deza in einem internen Bericht, sei sie «nicht in der Lage, das Programm zu managen». Der Korruption waren auf diese Weise Tür und Tor geöffnet; Betrügereien gab es in verschiedenen Varianten.
1300 Häuser stehen leer
Ein ehemaliger Projektmanager vor Ort, der vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) angestellt war, hat die Fälle schriftlich und fotografisch dokumentiert. Allein im Distrikt Matara erhielten 3188 Eigentümer 1000 US-Dollar, obwohl deren Häuser nur geringfügig beschädigt waren. In Hunderten von Fällen verursachten die Besitzer die Schäden mutwillig selbst. Sie schlugen Fenster und Türen ein, leerten Wasserkübel aus. Ein weiterer Schwindel: Eigentümer, deren Haus als «teilweise beschädigt» galt, liessen sich in die Kategorie «vollständig zerstört» umteilen und erhielten so 2500 statt 1000 Dollar. Darüber hinaus gab es zahlreiche Begünstigte, die doppelt entschädigt wurden. Die Schweizer zahlten Beiträge für den Wiederaufbau von Häusern, die durch andere Hilfsorganisationen bereits vollständig finanziert waren. In Matara trifft dies in mindestens 428 Fällen zu. Allein diese Form des Missbrauchs dürfte rund eine Million Dollar an Spendengeldern verschlungen haben.
Die Lage verschärfte sich Anfang 2006. Damals reduzierte die srilankische Regierung den Abstand von der Küstenlinie, in dem Neubauten untersagt waren (sogenannte Pufferzone) von hundert auf fünfunddreissig bis fünfzig Meter. Dies hatte zur Folge, dass Tausende von Familien aus dem staatlichen Umsiedlungsprogramm in das Hausbauprojekt der Schweiz wechselten – Familien, für die zahlreiche Hilfswerke im Hinterland bereits neue Häuser und Siedlungen geplant und teilweise bereits fertiggestellt hatten. Aus einem Dokument der amtlichen srilankischen Wiederaufbau-Agentur Rada vom Juni 2006 geht hervor, dass 644 Wohneinheiten aus diesem Grund «verlassen» wurden. Der Projektleiter des Schweizer Konsortiums (der Allianz von Deza, Glückskette, SRK und Heks) rechnete zu diesem Zeitpunkt damit, dass bis im Herbst 2006 rund 1300 Häuser leer stehen würden. Sie alle wurden über den Bedarf hinaus gebaut.
In diesem und den anderen dokumentierten Fällen gilt: Der systematische Schwindel war den Schweizer Verantwortlichen bekannt. Noch am selben Tag, als er von den massenhaft leerstehenden Häusern erfuhr, informierte der Projektmanager den Gouverneur des Distrikts und die Koordinatoren des Konsortiums in Colombo und der Schweiz. Eingeschritten sind sie nicht, stattdessen beschuldigten sie den Mann vor Ort, er ziehe das Ansehen der Schweiz in den Schmutz. Die Deza schickte eine diplomatische Protestnote an die Heks-Zentrale in Zürich und verlangte, dass fortan keine Kritik mehr ohne Autorisierung aus Bern geäussert werden dürfe.
Auch die Spitzenkader, die letztlich die Verantwortung tragen, waren im Bild. Deza-Vizedirektor Toni Frisch, der Chef der humanitären Hilfe, und Glückskette-Direktor Félix Bollmann wurden vor Ort aufgeklärt. Am 3. April flogen sie in Begleitung von Botschafter Regazzoni in einem eigens gemieteten Jet von Colombo nach Matara. Der dortige Projektleiter zeigte ihnen eine Reihe von Häusern, die mit französischen Spenden aus der Bretagne komplett wiederaufgebaut wurden. Neben den Namen der bretonischen Gemeinden klebten an den Häusern auch Schilder mit dem Schweizer Kreuz und einem Text, wonach «die Bevölkerung der Schweiz» den Wiederaufbau unterstützt habe. Die Eigentümer bekamen aus der Schweiz zusätzlich 2500 Dollar, obwohl die Häuser von den Franzosen vollständig bezahlt worden waren. Der Projektleiter führte die Besucher schliesslich vor ein Hinkelstein-artiges Monument, das die Bewohner des Stadtteils zu Ehren der französischen Spender errichtet hatten. In diesem Augenblick sagte Glückskette-Direktor Bollmann: «Wenn jetzt die Presse hier wäre, wären wir erledigt.»
Über dieselbe Art des Missbrauchs an einem anderen Ort orientierte die private srilankische Wohltätigkeitsorganisation Jayawickreme Foundation den Schweizer Botschafter in Colombo. In einem E-Mail, das der Weltwoche vorliegt, schildert der Vorsitzende der Stiftung, Sujith C. Jayawickreme, folgenden Vorfall: «Am 21. August 2006 erlebten wir einen unangenehmen und harten Schock, als wir deutschen Sponsoren, begleitet von deutschen Medien, unsere Projekte zeigten: Häuser, die von unserer Stiftung gebaut und vollständig von deutschen Geldgebern finanziert worden waren, sind über Nacht mit Schildern versehen worden, auf denen steht, die Häuser seien durch Gelder der Schweizer Bevölkerung wiederaufgebaut worden.» Wie eine Nachfrage bei der Stiftung in Sri Lanka ergeben hat, waren davon 16 Häuser betroffen. Auch in diesem Fall, das wusste man im Aussendepartement und beim Heks, flossen die Schweizer Spendengelder unnötig und zweckwidrig.
In vierzehntäglichen Feld-Rapporten der Projektleiter wurden die Vorgesetzten in der Deza, beim Roten Kreuz und beim Heks über die vielfältigen Missbräuche informiert. Im Bericht vom 20. September 2006 heisst es, die srilankischen Behörden seien «direkt verantwortlich für den bewussten und exzessiven Missbrauch» der Spendengelder, das Hausbau-Programm in Matara sei «völlig korrumpiert». Entgegen der Behauptung von Deza und Glückskette sind die Verantwortlichen diesen Missbräuchen weder «nachgegangen», noch haben sie «notwendige Korrekturen vorgenommen». Ganz im Gegenteil: Den Projektleiter vor Ort, der die Fälle dokumentierte und die fehlbaren Beamten direkt ansprach, forderten sie ultimativ zum Schweigen auf (später wurde er entlassen).
Die Geschichte spielte sich so ab: Am 9. November 2006 schrieb Projektleiter Georg Mayer einem srilankischen Programm-Mitarbeiter, der einen gewissen Mr Dadli auf die Liste der «vollständig Geschädigten» gesetzt hatte, er solle den Empfänger wieder von der Liste streichen. Mr Dadlis Haus war nämlich nur minimal beschädigt, und zwar nicht durch den Tsunami. Eine Kopie des E-Mails ging an den Distrikt-Sekretär, eine zweite an den Deza-Koordinator in Colombo, eine dritte an Mayers Vorgesetzten beim Heks in Zürich, Andreas Sicks. Dieser antwortet umgehend: «Wir fordern Sie dringend auf, von solchen Aktivitäten ein für allemal abzusehen!» Mayer müsse sofort aufhören, «inkriminierende E-Mails und Briefe» über die Betrugsfälle zu schreiben. Für Beschwerden an «unsere lokalen Partner» brauche es das Einverständnis des Heks und des Schweizer Konsortiums «als Ganzes», also auch der Deza, der Glückskette und des Roten Kreuzes. Das Schreiben schliesst mit der Aufforderung, Mayer solle «bitte bestätigen», dass er «unsere Instruktionen verstanden» habe.
Für eine Stellungnahme war Andreas Sicks nicht zu erreichen. Sein Vorgehen zeigt: Die srilankischen «Partner» sollten unter allen Umständen geschont werden – und die Schweizer Öffentlichkeit über die wahren Verhältnisse getäuscht werden. Derselbe Sicks, der dem Projektleiter vor Ort verbot, die Behörden auf ungerechtfertigte Bezüge der Schweizer Spendengelder aufmerksam zu machen, lässt sich auf der Homepage des Heks mit dem Satz zitieren, «Cash for Repair and Reconstruction» sei das «effizienteste und erfolgreichste Wiederaufbauprojekt in Sri Lanka nach dem Seebeben». Wie Deza und Glückskette in ihrer Entgegnung auf den Weltwoche-Artikel von letzter Woche, verweist das Heks auf eine externe Evaluation, die dieses Selbstlob bestätigen soll. Aus der Studie, die von vier internationalen Experten verfasst wurde, zitiert es nur die Aussage, die Schweizer Programmbeteiligung sei ein «bemerkenswerter Erfolg». Schaut man sich die Zusammenfassung der Studie – der Volltext ist nicht greifbar – näher an, bleibt vom schönen Bild wenig übrig: «Der relative Erfolg des Projekts bedeutet nicht, dass es nicht schwerwiegende Bedenken und Nachteile bezüglich der Umsetzung gab.» Der Bericht listet eine ganze Liste von Mängeln auf: doppelt Begünstigte, die ein Haus gebaut bekamen und obendrein noch Bargeld; ein zu geringer Betrag für den Wiederaufbau, so dass sich manche Empfänger verschulden mussten; mangelnde Flexibilität, um auf die massive Teuerung zu reagieren; eine ineffektive Umsetzung usw.
Zu seiner Entlastung führt das Schweizer Konsortium weitere externe Untersuchungen an. Die Hilfswerke, die mit der Deza in Sri Lanka zusammenarbeiten, haben sich von der Stiftung Zewo, der Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen, und von Firmen wie Pricewaterhouse Coopers und Ernst & Young prüfen lassen. Der skandalöse Betrug im Hausbauprojekt wurde so nicht aufgedeckt. Die Zewo evaluiert nach eigenen Angaben nicht «einzelne Projekte», sie hat lediglich das Rote Kreuz und das Heks Stellung nehmen lassen. Sie kommt zum Schluss: «Unsere Abklärungen zeigen, dass die Planungs-, Evaluations- und Kontrollsysteme funktionieren und die Kontrolle wahrgenommen wurde.» Dieses positive Urteil über das durch und durch korrumpierte Projekt erweist die Zewo-Abklärung als Farce. Ähnlich geringe Aussagekraft haben die Untersuchungen der Rechnungsprüfer. Sie schauen lediglich, ob die Geldflüsse dort ankommen, wo es auf dem Papier steht. Über die zweckwidrigen Bezüge erfährt man aus ihren Berichten nichts.
source:
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=16863&CategoryID=66












0 Responses to “Schweizer Korruptionshelfer”